Durisch + Nolli

Ristrutturazione di Villa Maraini . Istituto Svizzero . Roma


Durisch + Nolli

In den historischen Aufnahmen wird ersichtlich, wie die Schauseite der Villa Maraini durch Otto Maraini explizit als kompositorische Einheit von Hauptbau, imposantem Sockelvorbau und Portineria geplant wurde.

















"Chi segue altri non gli va mai inanzi. Ed io al certo non mi sarei posto a questa professione col fine d’esser solo copista.“
Francesco Borromini, Opus Architectonicum, 1656/1725

Ort und Bausubstanz
Dieser gestalterische Wille ist auch im Baueingabeplan von 1903 und im unvollendeten Projekt der nördlichen Stützmauer als repräsentative Strassenfassade offensichtlich und findet sich auch in der von Maraini projektierten Villa Helios in Castagnola (Lugano).
Es ist darum auch fraglich, wie in der von Emilio Maraini so akkurat und präzis gepflegten Gartengestaltung die als Kontrast zur künstlichen Grottenlandschaft der Gartenanlage als massive Architektur ausgestaltete Stützmauer begrünt werden konnte. Die Sockelmauer ist ein architektonisch und volumetrisch präzis ausformuliertes Bauwerk, das zum architektonischen Gesamtausdruck des Hauptbaus beiträgt. Das Projekt macht sich diese typologische Besonderheit eigen, indem es den Zwischenraum zwischen den drei Architektonischen Elementen des Nordost-Prospekts wie eine präzis ausgeformte, wertvolle Intarsie genau ausfüllt und mit dem Bestand ein neues Ensemble bildet, das sich von aussen unerkannt, diskret und elegant in die wunderschöne Gartenanlage einbettet. Der Eingriff lässt den schönen Vegetationsbestand der Gartenanlage vollständig unangetastet.


Typologie
Das unterirdische Neubau-Ensemble schafft eine neue, grosszügige, wirkungsvolle und organische Verbindung des ISR Haupteingangs mit der Villa. Der neue Verbindungsbau artikuliert sich entlang einer grosszügigen und repräsentativen Raumfolge, die vielseitig nutzbar ist. Ausstellungen, Events, Konzerte, Konferenzen, Workshops, Seminare finden hier ihren Ort.
Herzstück dieser „Promenade architecturale“ sind die drei ovalen Säle die präzis wie eine Intarsie den Zwischenraum ( lat. Interstitium), zwischen Hauptbau und Pförtnerhaus ausfüllen. Hier ist auf Ebene 0 sozusagen das ganze „Wissen“ des ISR in den Rollregalen der Bibliothek untergebracht. Darüber sind die ovalen, mit zenitalem Tageslicht belichteten Mehrzwecksäle, in denen dieses Wissen sozusagen offenbart wird, angeordnet. Diese Saalfolge ist durch eine grosszügige Treppenanlage mit dem Foyer in der Portineria verbunden. Die Portineria selbst wird durch diese grosszügige räumliche Verbindung mit den ovalen Sälen aufgewertet. Dank einem einfachen, strukturellen Umbau wird das ganze Erdgeschoss der Portineria zum Foyer ausgeweitet, das Zugang zum ebenfalls ovalen Raum der Boutique (Ausstellung Schweizer Kulturprodukte) gewährt, die separat betrieben werden kann und die gleichzeitig den hindernisfreien, ebenerdigen Zugang zur Liftanlage bietet. Diese verbindet zusammen mit der Servicetreppe sämtliche Ebenen des ISR. Auch das Compactus-Archiv der Bibliothek kann direkt von der Portineria aus erreicht werden
Der zentrale ovale Raum ist gewissermassen auch der repräsentative Empfangsraum, von dem man in die Villa Maraini gelangt. Dank einer typologisch sinnvollen Ergänzung der Haupttreppe der Villa entsteht auf Niveau 2 ein neues, repräsentatives Foyer (Lobby) für die ISR-Mitglieder das vielseitig genutzt werden kann. Auch auf Geschoss 1 kann der darunterliegende zentrale Raum, im Moment als Lager genutzt, mit wenig Aufwand in einen Mehrzweckraum verwandelt werden der die Anlage noch zusätzlich erweitern kann.
Diese besondere Typologie erlaubt eine optimale Funktionalität, gewährleistet aber gleichzeitig eine separate Nutzung des Konferenzraumes als Mehrzwecksaal für besondere Anlässe.
Die neue Saalfolge ist eine wichtige Sequenz von Stationen, ein eigenständiger Ort, der den unterschiedlichen Nutzern gemeinsam ist. Sie ist Treffpunkt und Empfang, Veranstaltungsort, Ausgangspunkt und Ankunftsort. Falls erwünscht können die 3 Ovalen Säle auch einzeln mit der Villa Maraini verbunden werden, um die Flexibilität für interne Workshops und Veranstaltungen zu vergrössern. In den ovalen Hallen ist die markante Dachform wahrnehmbar, das Licht strömt von Oben in den Raum. Wie das Beispiel des Musée de l’Orangerie in Paris zeigt, lassen sich diese Räume hervorragend mit unterschiedlichen Nutzungen bespielen. Die Eingriffe in die Substanz der Villa Maraini beschränken sich auf ein absolutes Minimum und haben Punktuellen Charakter. Grösste Eingriffe sind die Ausweitung des Liftschachtes, die Untermauerungen zur Verbindung der bestehenden Treppenanlagen mit dem Verbindungsgebäude und die Transformation des zentralen Rollregallagers in repräsentative Lobby für die ISR-Mitlgieder.

Architektur
Die ovale Grundform der neuen Mehrzweckräume wird für eine ideale und organische Ausnutzung des Zwischenraums zwischen Villa Maraini und Stützmauer geradezu suggeriert. Die Ausformulierung als Kuppelräume mit Oberlicht entspricht der denkmalpflegerischen Bedingung der Unsichtbarkeit nach Aussen und der daraus folgenden unterirdischen Disposition am besten. Die Typologie der runden oder ovalen Kuppelsäle hat in Rom eine grosse Tradition, ausgehend von wichtigen römischen Bauten, von der Domus Aurea bis hin zum Pantheon, zu den Katakomben, zur grossartigen Architektur des Schweizers Francesco Borromini. Bei fast allen seinen Bauten, vom San Carlino, zu den Einbauten in Palazzo Barberini und schliesslich beim Oratorio dei Filippini , wo Borromini die Gemeinschaftsräume der Mönche (Refektorium und Wohnraum) als eine Folge von Ovalen Sälen ausbildet, setzt er diese Raumtypologie ein. Das Projekt für den neuen Verbindungsbau hat die Ambition dieser klassischen Architektur. Er ist Ergänzung aber auch Aufwertung der historischen Bausubstanz.
Das Istituto Svizzero di Roma bekommt mit diesem Projekt eine neue Raumfolge, die mehr ist als die funktionale Verbindung und Erweiterung der verschiedenen Anlageteile. Eine natürliche Raumfolge die ein neuer Ort ist, eine organische Verbindung des Strassenraumes mit der monumentalen Anlage der Villa Maraini, die gleichzeitig Raum bietet für die unterschiedlichsten Aktivitäten und Auslegeordnungen von Seiten der Nutzer. Die Atmosphäre der neuen Räume ist zeitlos, das heisst gelichzeitig klassisch und modern.

Struktur und Konstruktion
Dem respektvollen Umgang mit der historischen Bausubstanz in Zusammenhang mit der Erfüllung der neuen Anforderungen des Wissenschafts- und Kulturzentrums ist auch die strukturelle Auslegung des Projekts durch den beigezogenen Ingenieur verpflichtet. Der unterirdische Verbindungsbau zwischen Portineria und Untergeschoss der Villa wird durch ein Foyer erschlossen. Der Zugang zu den doppelgeschossigen Ausstellungs- und Mehrzweckräumen erfolgt über eine Treppenanlage. Die Ausstellungsräume erhalten durch ihre kuppelförmige Ausgestaltung einen repräsentativen Charakter der den statischen Erfordernissen in einer idealen Form entspricht. Das Kuppelauge (Laterne, Opaion) im First bringt natürliches, zenitales Licht in den Raum und wirkt statisch als Druckring. Die durch die Erdauflast evozierten radialen Kräfte in der Kuppelebene werden durch ein umlaufendes ellipsoides Zugband zusammen gehalten. Im Anschluss gelangen die Normalkräfte via Aussenwände in die Fundation. Die Eingriffe an der bestehenden Villa beschränken sich auf eine Unterfangung der an die Ausstellungsräume grenzenden Fassade und einen Lifteinbau zwischen den beiden existierenden Treppenhäusern. Die bestehende Sockelmauer wird ebenfalls Unterfangen und mittels beweglichen Rückhalteanker an die unterirdischen Neubauten gesichert.

Zusätzliche Ateliers
Die Installation zusätzlicher Ateliers auf der Dachterrasse scheint in Anbetracht der notwendigen Flächen (3×50 qm) und Installationen eine nicht praktizierbare Lösung. Die aktuelle Dachterrasse mit Ihren Kaminen und ihrer weitläufigen Freisicht und der metaphysischen, fast magischen Atmosphäre, hat eine dermassen hohe architektonische Qualität, dass es schade wäre, diesen wichtigen Raum der gemeinschaftlichen Nutzung durch die ISR Mitglieder zu entziehen und durch grosse Volumina zu verbauen. Stattdessen könnte es sinnvoll erscheinen, die 3 zusätzlichen Ateliers im Bereich der Portineria anzusiedeln, wo ein Atelier im OG der Portineria ohne grossen Aufwand angelegt werden kann. Weitere Ateliers können in der Verlängerung der Portineria hinter der grossen Stützmauer entlang der Via Ludovisi unterirdisch angelegt werden und von oben, analog der Kuppelsäle, oder durch gekonnt und dezent gesetzte Öffnungen in der Stützmauer, belichtet werden. Dieses Raumschema hat den Vorteil, dass es dem ursprünglichen Projekt von Otto Maraini, der eine weitgehend architektonische und monumentale Gestaltung der Stützmauer vorsah, entspricht.
Aussenräume, Umgebung
Das Ensemble fügt sich auf natürliche Art in die gebaute und in die natürliche Topographie ein. Die bestehende Topographie und Aussenraumgestaltung wird nicht verändert. Einzig sichtbar bleiben, nach dem Bau, die 3 runden Oberlichter in der Vorfahrt der Villa. Während für die 3 Kuppelsäle ein momentaner Aushub zwischen Villa und Stützmauer nötig wird, können die Verbindungsräume zur Portineria dank dem Einsatz moderner Technologien für den Untertagbau auch ohne Aushub realisiert werden.

Concorso: 2013, Quarto Premio
Architetti: Pia Durisch, Aldo Nolli, Filippo Bolognese, Chiara Cattarini, Ulrike Krommer
Ingegnere Civile: Tivadar Puskas, Schnetzer Puskas Ingenieure AG


1 comentarios :

5 de marzo de 2013, 21:18 RGR dijo...

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